Die Puten im Land der Tiere

Putenalarm im Land der Tiere im August 2015: Winzig kleine Puten sind eingezogen und haben schon im Alter von wenigen Tagen fröhlich piepsend die erste Wiese erobert – eine Wiese, die sie in ihrem Leben nie hätten unter den Füßen hätten haben dürfen, wenn es so gekommen wäre, wie es „Mastputen“ üblicher Weise ergeht. Die Geschwister der Küken werden – sofern sie überhaupt bis dahin überleben – im Alter von 4 bis 5 Monaten eine konventionelle Mastanlage verlassen, um im Schlachthof zu sterben. Aber diese Puten leben!

Video von der Putenrettung:

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Wie viel Freude am Leben in so einer kleinen Pute steckt, wie fleißig sie ihre Fähigkeiten trainieren, fliegen, jagen, untersuchen, erforschen, toben, rennen und sandbaden. Manche sind eher unerschrocken, manche überlegen ein bisschen genauer, andere schauen erst, ob die frecheren unbeschadet gewagte Flugversuche überstehen. Lauter kleine großartige Persönlichkeiten.

In den ersten Wochen brauchten sie viel Nestwärme. Mangels echter Mutter, die sie nie kennen lernen durften, schliefen die Küken noch im beheizten Nest im Haus. Tagsüber gab es spannende Ausflüge nach draußen, die sie unter Aufsicht genossen. Im Alter von 2 Monaten war es so weit, dass sie in den großen Putenstall umziehen konnten, der für sie noch mit Heizung und Wärmelampen ausgestattet wurde.

Selbst wenn sie aufgrund ihrer Genetik – sie wurden nur auf „hohen Fleischansatz“ gezüchtet – kein allzu langes Leben haben werden: Jeder gute Tag ihres Lebens wird sich für sie lohnen. Willst du sie dabei unterstützen?

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Lisbeth - gerettete Pute im Land der TiereMathilda & Tante Lisbeth
Ein neues Leben nach der Zuchtfabrik

Von Zwangsbesamung bei Puten haben die meisten Menschen noch nichts gehört. Ebenso wenig ist vorstellbar, dass Hunderte und Tausende weibliche Puten zusammen in einer Halle leben und nur existieren, um in ihrem kurzen Leben als „Elterntiere“ ca. 100 Eier zu legen, aus denen maschinell Küken erbrütet werden, die dann innerhalb weniger Wochen bis zur „Schlachtreife“ gemästet werden.  Zwei- oder dreimal pro Woche eingefangen, fixiert und von Menschenhand künstlich besamt werden, Stress und sonst nichts: Das ist das Leben, welches Mathilda und Tante Lisbeth kannten – ein Leben für die „Produktion von Putenfleisch“. Mathilda - befreite PuteAls sie ins Land der Tiere einzogen, war ihr Zustand furchtbar. „Verbraucht“ wie sie waren wären sie in ihrer Zuchtfabrik kurze Zeit später geschlachtet worden – so wie alle ihre Kinder, die bis dahin aus ihren Eiern geschlüpft sind. Doch für sie sollte es ein zweites Leben geben – und das begann mit ihrem Einzug im Herbst 2016.

Für Tante Lisbeth hatten wir kaum Hoffnung, sie retten zu können. Ihre furchtbaren Füße mit dicken Abszessen waren nicht mal das schlimmste Problem. Sie war komplett sehunfähig, als sie kam, mit entzündeten Augen hinter blutig verkrusteten Augenlidern, orientierungslos lief sie gegen die Wand. In ihrem desolaten Zustand war sie schon länger nicht mehr in der Lage, Futter und Wasser zu finden – interessiert hatte das offenbar niemanden, und eine tierärztliche Behandlung von Einzeltieren ist im Fleischproduktionssystem nicht vorgesehen, weil weder rentabel noch praktikabel.

Pute Tante Lisbeth auf dem veganen Lebenshof (Gnadenhof) zwischen Hamburg und BerlinDer Tag, wo sie wieder die Augen öffnen und tatsächlich konnte, war für uns wunderschön. Aber noch viel schöner – vor allem für sie selbst und ihre Freundin Mathilda – der Tag, an dem sie das erste Mal im Leben durch die Sonne spazierte. Gras unter den kranken Füßen, die immer von ihrem alten, furchtbaren Leben erzählen werden, aber die Freiheit, in den Himmel schauen zu dürfen, draußen herumzupicken, dem Wind in den Blättern lauschen zu können, Freundschaften zu pflegen und friedlich und fröhlich zusammen mit Mathilda und dem großen Georg zu leben.

Pute Mathilda - Leben in FreiheitDie Vergesellschaftung der beiden Damen mit Puter Georg, der 2015 aus genauso einem Ei schlüpfte, wie Mathilda und Tante Lisbeth sie in ihrem früheren Leben in ihrer Zuchtfabrik legten, hat fantastisch geklappt. Georg hat zwar ein paar Tage überlegen müssen, ob es wirklich okay ist, dass die vorwitzige und vergnügte Mathilda ihn anzwitschert und war auch äußerst erstaunt, als sich Tante Lisbeth das erste Mal an ihn und seine breiten Schultern kuschelte, hat aber dann alles für richtig und gut befunden. Der eigentlich so „aufgeblasene“ Georg ist kaum wiederzuerkennen: Ganz entspannt und zwitschernd begleitet er nun die beiden, benimmt sich so unglaublich väterlich und zart – und die Mädels fühlen sich offenbar sehr wohl in seiner Gesellschaft.

 

Video: Mathilda & Lisbeth lernen Puter Georg und die Welt kennen

Weitere Videos der Puten im Land der Tiere:

Bilder der ersten Tage nach der Rettung der Putenjungs: