Nie wieder mehr in der Sonne glitzernder Schnee auf Ferdinands Nase.

Nie wieder Ferdinand, der morgens vorm Stall liegt und auf seine Extraportion Essen und sein Schmerzmittel-Brötchen wartet. Es ist still ohne seine Rufe, die uns in den vergangenen Monaten so oft von irgendwo weggeholt haben, um ihn sicher nach Hause oder wieder zu den anderen Schafen zu bringen, die Ferdinand mit fortschreitender Demenz und Erblindung immer häufiger verlor, obwohl er doch einen Moment zuvor noch neben ihnen gestanden hatte.

Als Ferdinand vor fünf Jahren zusammen mit seinen drei Schwestern ins Land der Tiere einzog, war er sieben Jahre alt, doch körperlich ein sehr alter Herr. Er humpelte aufgrund einer alten Schulterverletzung, an der es nichts mehr zu reparieren gab. Das Einzige, was wir ihm Gutes tun konnten, ihn schmerzfrei und am Laufen zu halten. Fünf Jahre ging es gut, so gut es gehen konnte. Ferdinand blieb mobil, konnte mit den anderen um die Bäume ziehen, wenn auch humpelnd.

In den vergangenen Wochen verbesserte sich seine Lauffähigkeit – und oft war er morgens der erste, der auf den „Schaffrühstücksspaziergang“ durchs Land wartete. Ferdinand war so flott unterwegs wie lange zuvor nicht. Grade so, als hätte er sein Schulterproblem vergessen.

Und noch etwas zu erledigen. Seine Erblindung, die in den letzten Monaten sehr vorangeschritten war, erschwerte seine Pläne, und wenn er vergaß, wo die anderen Schafe waren, einfach irgendwo seine Wege ging, nicht sah, wo er suchen musste, war er verzweifelt und hilflos. Und wir somit immer auf dem Sprung, ihm zu helfen, wenn er alleine nicht klarkam.

Als es ihm vor einigen Tagen plötzlich schlecht ging, er nicht aufstand, keinen Appetit hatte, nahte sein Abschied. Sein Herz schlug wie das eines Tieres im Winterschlaf, er atmete ganz ruhig, war kaum ansprechbar. Wir rechneten nicht damit, dass er noch einmal aufstehen würde. Doch Ferdinand stand nach zwei Tagen wieder auf. Um noch ein paar begleitete Runden mit den anderen Schafen durchs Land zu ziehen, im Klee zu stehen und zu essen. Als er sich dann wieder ruhig in den Stall legte, wo er selbständig auf eigenen Beinen hinging, war es das letzte Mal. Ferdinand schlief ein und wurde nicht wieder wach.

Adieu, Ferdinand.
Mit tiefen Dank allen, die es möglich gemacht haben, dass er in Würde alt werden konnte.

Schwein Pauline im Land der Tiere, einem Lebenshof für ehemalige "Nutztiere" in Mecklenburg-Vorpommern, idyllisch gelegen im Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe zwischen Hamburg und Berlin

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Hündin Nica im Land der Tiere, einem Lebenshof für ehemalige "Nutztiere" in Mecklenburg-Vorpommern, idyllisch gelegen im Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe zwischen Hamburg und Berlin

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