Walter war der letzte Überlebende einer Hamburger Kita-Kaninchenhaltung. Als das vorletzte Kaninchen dort eingeschläfert werden musste, war Walter alleine und die Fortführung der Haltung kam nicht in Frage. Für einen älteren Deutschen Riesen einen Lebensplatz finden? Fast unmöglich. Doch Walter hatte riesiges Glück, im Land der Tiere brauchte die damals alleinstehende Kaninchendame Norma dringend Gesellschaft. Und so zog er ein.
Norma und Walter verstanden sich prächtig. Die stürmische, aufgeweckte Norma, der gemütliche, stoische Walter, sie hätten unterschiedlicher kaum sein können und passten irgendwie doch ganz wunderbar zusammen. Norma und Walter hatten eine gute Zeit miteinander, die leider viel zu kurz war. Normas Tod war ein herber Schlag für Walter. Das, was die beiden hatten, war etwas ganz besonderes. Doch alleine bleiben sollte Walter auch nicht.
Die Vergesellschaftung mit anderen erwies sich als schwierig. Walter, der liebevolle alte Griesgram, hatte eben seinen eigenen Kopf, seine eigenen Pläne. Und wenn ihm jemand nicht passte, zeigte er das sehr deutlich. Selbst der stets allen wohl gesonnene Herr Lily hat eine bleibende Erinnerung von Walter an seiner Nase abbekommen.
Mit dem Mutter-Tochter-Paar Nia und Yanny hat es schließlich geklappt. Walter hat die beiden akzeptiert, es war eine funktionierende Zweck-WG. Wenn er wollte, schloss Walter sich den beiden an, oft genug machte er aber auch sein eigenes Ding. Wichtig war einfach, dass er die Option auf Gesellschaft hatte, wenn er sie brauchte.
Und überhaupt die Option darauf, machen zu können, was er wollte. Die hatte Walter im Land der Tiere, bis zuletzt. Auch wenn er immer tüddeliger wurde, körperlich abbaute. Walter blieb Walter, wie ein Fels in der Brandung.
Den Tag vor seinem Tod verbrachte er nochmal draußen, konnte in seinem Garten die Sonne auf dem Fell spüren, bekam das Essen an seinen Sonnenplatz serviert. Die Entscheidung, ihn einschläfern zu lassen, nahm Walter uns in der Nacht darauf ab. Walter wurde acht Jahre alt.
Adieu, Walter.





