Vielleicht ging es für die beiden einfach nicht anders, als nicht ohne einander sein zu können.
Abschied von Jente.
Jente und Polente zogen im Sommer 2022 als Abgabeenten ein. Die Familie, bei der sie vorher lebten, suchte nach einem schlachtfreien Zuhause mit Teich für die beiden und wurde im Land der Tiere fündig. Die unzertrennlichen Schwestern freundeten sich gleich mit Heidi an – das Ententrio war komplett, eine enge Freundschaft entstand zwischen den dreien.
Warzenenten wie Jente werden auch Flugenten genannt. Jente bewies schnell, dass der Name bei ihr zum Programm gehört: Regelmäßig flog sie über ihren Teich, hin und wieder dann auch über den Zaun zum Nachbargehege und machte Ausflüge zu den dort lebenden Puten und Kaninchen. Oder badete sogar „fremd“, im ehemaligen Gänseteich zwei Gehege weiter.
„Fremdbaden“, weil Jente und „ihr“ Teich eine sehr innige Beziehung miteinander hatten. Jente ist nicht nur eine Flugente, sondern auch durch und durch eine Badeente gewesen. Planschen, gründeln, Bahnen ziehen, Gefieder putzen, einfach im Wasser sein: Genau das war Jentes Element. Selbst Nickerchen machte sie am liebsten in Teichnähe, mindestens aber mit Blick auf ihren Teich.
Enten, die in Mastanlagen gehalten werden, können nie wie Jente von Wasser umgeben zu sein und ihren Bedürfnissen nachgehen. Sie können mit Glück vielleicht ihren Kopf in die Tränke stecken, laufen auf einem Boden, der nicht für ihre Füße gemacht ist. Jente blieb all das erspart. Sie hat jeden Tag im Land der Tiere genutzt, um ihr Ding zu machen.
Gut, dass ihr Teich direkt vor der Haustür auf sie wartete. Genauso wie ihre Freundin Heidi und Schwester Polente, zu der Jente eine sehr enge Bindung hatte und die vor Kurzem ohne Ankündigung gestorben ist. Von den dreien war Jente die Unbedarfte, die Entdeckerin. Sie ging alles etwas lockerer an, hatte auch mal den Schalk im Nacken sitzen.
Und ist nun ähnlich wie ihre Schwester gestorben, plötzlich und unerwartet. Wegen der Temperaturen um den Gefrierpunkt war ihr Teich zugefroren, Jente entsprechend nicht viel unterwegs. An ihrem vorletzten Lebenstag fiel uns auf, dass sie blass war, zu ruhig, Frost hin oder her. Zeit, ihr Problem näher zu ergründen, blieb uns keine mehr.
Adieu, Jente.