An Heiligabend 2022 fand sie Zuflucht im Land der Tiere: Mamalena zog zusammen mit ihren Brüdern Jojo und Christo, ihrem Vater Papa Noel und ihren damals noch kleinen Kindern Merry und Christmas ein. Die ganze Familie wurde in den Kleinanzeigen mitsamt winzigem Käfig „zu verschenken“ angeboten. Dass die Meerschweinchen auf diesem Wege ein besseres Zuhause finden würden, wo der Vermehrung und dem Käfigleben ein Ende gesetzt werden würde, war unwahrscheinlich. So kamen sie ins Land der Tiere.

Das Schicksal der „Weihnachtsschweinchen“ ist ein klassischer Fall gescheiterter Meerschweinchenhaltung: Mamalena war gerade ein halbes Jahr alt, vor zwei Wochen erst Mutter geworden, Brüder und Vater unkastriert, dann sollten sie „weg“. Im Land der Tiere zogen die Jungs in einen eigenen Bereich, Mamalena in einen Extra-Bereich zusammen mit den Kindern. Sie wusste Merry und Christmas gut vor den Menschen zu verstecken. Dass aus den schüchternen kleinen Kids mal zwei so selbstbewusste Personen werden, das ist Mamalenas Leistung. Sie war eine äußerst liebevolle, umsichtige Mutter, die immer genau wusste, was gut ist und was nicht und das auch ihren Kindern weitergegeben hat.

Als die Kleinen groß genug waren, zogen Mutter und Kinder zusammen zur großen Meerschweinchengruppe. Sie lebten sich schnell ein, machten seither einige Konstellationen mit und schließlich den Umzug in das noch größere Meerschweinchenzimmer in Haus #2. Mit noch mehr Hängematten, Verstecken, Heu-Liege-und-Ess-Landschaften. Mamalena war immer eine von denen, die das ganze Angebot ausnutzte, jeden Winkel kannte, schließlich ihre Lieblingsorte hatte. Dass sie mal in einem kleinen Käfig leben musste, ein halbes Jahr lang, unvorstellbar. Dass überhaupt Meerschweinchen in Käfigen leben, zum Teil ihr ganzes Leben lang, genauso unvorstellbar.

Mamalena sollte nie wieder einen Käfig von innen sehen. Der Raum gehörte ihr. Die Kinder gingen längst ihre eigenen Wege, Mamalena ihren, das Zusammenleben in der Gruppe verlief größtenteils harmonisch. Als Chefin der dreizehnköpfigen Meerschweinchengruppe diskutierte Mamalena mit Aufmüpfigen oder Neuen nicht lange. Ihr einmaliger Blick verriet, dass sie „den Laden“ im Griff hatte, ihre Körpersprache war unmissverständlich. Sie war so eine Person mit charmantem Selbstbewusstsein, sehr präsent, mutig und äußerst aufgeweckt. Dabei legte Mamalena immer so eine bewundernswerte „Ich mach mein Ding“-Einstellung an den Tag, aber ohne, dass jemand darunter leiden musste.

Dass Mamalena mal nicht mehr in diesem Raum sein würde, daran war noch lange nicht zu denken. Sie hat bis zum letzten Tag nicht gezeigt, dass etwas nicht stimmt, schnitzte zusammen mit den anderen am Kürbis, ganz ihrem Naturell entsprechend, alles mitzunehmen. Knapp drei Jahre nach ihrem Einzug ist sie überraschend und ohne Vorankündigung gestorben.

Adieu, Mamalena.

19. Januar 2026

Schwein Pauline im Land der Tiere, einem Lebenshof für ehemalige "Nutztiere" in Mecklenburg-Vorpommern, idyllisch gelegen im Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe zwischen Hamburg und Berlin

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Hündin Nica im Land der Tiere, einem Lebenshof für ehemalige "Nutztiere" in Mecklenburg-Vorpommern, idyllisch gelegen im Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe zwischen Hamburg und Berlin

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