Beim Thema „Qualzucht“ denken die meisten Menschen zuerst an Tiere wie Möpse oder Bulldoggen, die mit ihren runden Schädeln, Glubschaugen und kurzen Nasen unter Atemnot und anderen extremen zuchtbedingten Erkrankungen leiden. Kaum jemand denkt an Kaninchen. Nicht an die überzüchteten Zwerge und Widder, die unter vielen Problemen leiden, erst Recht nicht an die Riesen, die alleine zu dem Zweck gezüchtet wurden, möglichst viel Fleisch „zu produzieren“. Kaninchen wie Fiffi, die sechs Kilo oder mehr wiegen, deren Körperbau viel zu lang, viel zu schwer ist. Wen interessiert es auch, dass die Tiere fast alle irgendwann unter Arthrosen und Rückenproblemen leiden – denn in der Regel werden solche Kaninchen nach ein paar Wochen oder Monaten sowieso geschlachtet.

Fiffi wurde vor fünf Jahren in einer dieser „typischen“ gammeligen Kaninchenmastbuchten geboren. „Als Nahrungsmittel“. Dass weder sie noch ihre Brüder noch ihre Mutter oder sonst jemand von der Familie geschlachtet wurden, hatte die Kaninchenfamilie dem Umstand zu verdanken, dass ihr alter „Besitzer“ ins Krankenhaus kam. Erst einmal kümmerte sich die Hausverwaltung um die Versorgung der Tiere vor Ort. Die war es auch, die uns kontaktierte als klar war, dass der Kaninchenzüchter nicht mehr nach Hause kommen würde. Fiffi, ihre Brüder, großen Geschwister, Mama, Papa, Oma: alle zogen ins Land der Tiere ein. Fiffi war noch ein Baby.

Aus Fiffi wurde eine Riesin – eine, die in der Kaninchenfamilie mit dafür verantwortlich war, den Ton anzugeben. Eine, die in jeden Tag mit ganz viel Energie startete, ihre Freiheit draußen genoss und tat, was ein Kaninchen tun muss: Rennen, Buddeln, Verstecken, Grasen, Hoppeln, Aussicht genießen, Quatsch machen mit den Brüdern, genauso chillen, kuscheln, ganz eng mit den anderen sein. Auch zu ihrer Mutter behielt sie immer ein sehr enges, liebevolles Verhältnis. Bis zu deren Tod. Bei Fiffis Mama Helga fing es irgendwann an, nachdem es schon bei ihrem Vater so kam, wie es oft bei älteren Riesenkaninchen passiert: irgendwann macht der Rücken nicht mehr mit. Eine Zeit lang kommen solche Kaninchen mit Schmerztherapie noch klar, können ihr Leben genießen. Irgendwann kommt leider der Tag, wo nichts mehr geht, die Hinterbeine ihren Dienst versagen.

So wie jetzt auch bei Fiffi. Am Ende konnten wir nichts mehr für sie tun, als sie einschläfern zu lassen. Mit fünf Jahren hatte sie für eine Riesin ein „langes Leben“ – und ein wundervolles, freies Leben.

Adieu, Fiffi.

17. April 2026

Schwein Pauline im Land der Tiere, einem Lebenshof für ehemalige "Nutztiere" in Mecklenburg-Vorpommern, idyllisch gelegen im Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe zwischen Hamburg und Berlin

Unsere Videos

Hündin Nica im Land der Tiere, einem Lebenshof für ehemalige "Nutztiere" in Mecklenburg-Vorpommern, idyllisch gelegen im Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe zwischen Hamburg und Berlin

Unsere Fotos