Es fühlt sich völlig irreal an. Carla, unsere Oberquatschmacherin mit ihrer 50-Kilo-Oberenergie, ist tot.
Sie war so unvorbereitet wie alle um sie herum und hatte überhaupt keine Zeit, ihren eigenen Tod zu bemerken. Sie schlief ganz tiefenentspannt und bequem auf ihrer Couch. So fanden wir sie dann auch. In der Nacht muss ihr Herz versagt haben, ohne jede Vorankündigung.
Als wir vor 5 Jahren den Platz an Hündin Mulis Seite, die nach dem Tod ihrer Schwester so trauerte, neu belegen wollten, suchten wir eigentlich nicht Carla aus. Sondern ihre Schwester Lola, die aufgrund ihrer Knochenproblematik und Rasse kaum eine reelle Chance hatte, irgendwo einen Platz zu finden. Die „Prophezeiung“ war, Lola würde wahrscheinlich nicht erwachsen werden können mit diesen Knochen. Bzw. denen, die nicht so richtig vorhanden waren. Doch Lola war nicht alleine. Sie war zusammen mit ihrer Schwester in einer Einkaufstasche ausgesetzt worden. Die beiden waren da grade ein paar Tage alt. Hatten nichts außer sich und der Tierschützerin, die sie per Hand aufzog. Für uns war sofort klar: wir würden uns nicht für die Aufnahme von Lola entscheiden können. Wenn dann kam nur in Frage, beide zu nehmen. Ab dem Tag war irgendwie in unseren Köpfen, dass Carla diejenige sein würde, die ihre Schwester und auch die alte Muli überleben würde.
Carla kam mit unglaublicher Energie. Bisweilen waren sie und ihre Schwester wie außer Kontrolle geratene Kettensägen. Initiatorin allen Kettensägenquatsches: immer Carla. Während Lola wahrscheinlich oft genug genervt war von ihrer übersprudelnden Schwester, die ihr täglich die Backen langzog bei den wilden Spielen der beiden, war Muli extrem begeistert von ihrer „neuen kleinen blonden Schwester“. Carla liebte Muli. Das beruhte absolut auf Gegenseitigkeit. Kein Tag, an dem die beiden nicht miteinander spielten. Zusammen die „Außengrenzen sicherten“, egal ob gegen landwirtschaftliche Maschinen oder Füchse. Lola spielte da eher eine Nebenrolle. Außer sie und Carla standen auf dem Wall am Zaun – und heulten um die Wette wie Wölfe. Nicht nur jeden Samstag um 12 beim Dorfsirenentest.
Irgendwann war klar: die schlimmen Prophezeiungen um Lola waren ebenso unwahr wie Mulis vorhergesagter baldiger Tod nach ihrer Knochenkrebsdiagnose von einigen Jahren. Und alles war gut. Carlas Leben perfekt und glücklich. Und das von Lola und Muli auch. Auch wenn sich die beiden wahrscheinlich oft genug gefragt haben, woher Carla diese unfassbare Energie nimmt. Und warum diese Hündin irgendwie immer verschmitzt lächelt und irgendwelchen Quatsch im Kopf hat.
Wir hätten mit allem gerechnet. Aber niemals damit, Carla, die nie krank war, grade fünf Jahre alt, eines morgens tot auf der Couch zu finden – mit ihrem Lächeln.
Adieu, Carla.
21. April 2026



