Was von Keks für immer bleibt sind ihre galaktischen Höhlen im Hang.

Keks und ihre Schwestern waren die letzten Verbliebenen einer „Schlacht“-Kaninchenzucht, wo sie in ihren winzigen Buchten hockten und ein kurzes Leben als Zucht- oder Masttiere verbringen sollten. Als der Kaninchenbestand des alten „Besitzers“ aufgelöst wurde, fehlten den örtlichen Tierschützerinnen noch Plätze für die letzten drei erst wenige Wochen alten Kaninchen: Keks und ihre Schwestern.

Gleich in der ersten Nacht im Land der Tiere schafften sie, was vor ihnen noch kein Kaninchen geschafft hatte: Sie waren am nächsten Morgen „weg“. Sie hatten sich jedoch nicht aus ihren Gehege herausgebuddelt, sondern saßen glücklich und munter in ihrer ersten selbstgebuddelten Höhle. Eine großartige Leistung für nur eine Nacht – und ein nahezu perfektes Bauwerk hatten sie geschaffen.

„Die Süßigkeiten“, wie wir Keks, Muffin und Brownie nannten, wenn wir alle meinten, zogen aus dem Quarantänegehege um in eine sicherere Freivoliere mit ordentlichen Fundamenten und großem Garten hinter Haus #1. Herausbuddeln unmöglich, so dass sie nachts wirklich in Sicherheit waren. Es dauerte nicht lange, und ihr Nachtquartier war eine Mondlandschaft mit Kratern und jedes Betreten unsererseits spannend. Hält der Untergrund? Kracht wer ein? Wir pflasterten die Voliere und hatten Ruhe.

Natürlich nahmen wir ihnen damit nicht die Möglichkeit, zu tun, was Kaninchen tun müssen: Buddeln und Höhlen bauen. Keks und ihre Schwestern konzentrierten sich von da an vor allem auf den Hang in ihrem Garten. Ein Graben mit zwei Hängen genauer. Was die Möglichkeiten von Grabungen verdoppelte: Keks und die anderen nutzten sie voller Enthusiasmus. Die Ernsthaftigkeit von Keks übertraf allerdings noch weit die der beiden anderen. Vielleicht lag es daran, dass sie die Chefin war – oder war aus diesem Grund die Chefin.

Zur Tagesbeschäftigung der Menschen gehörte fest: Kekslöcher kontrollieren. Und „stopfen“. Gefühlte Kilometer Schächte, Gänge und Höhlen haben wir mittlerweile aufgebuddelt und verfüllt. Und garantiert nicht einmal die Hälfte gefunden. Wer den Hang von Weitem betrachtet kommt nicht umhin, zuerst Gedanken an eine äußerst aktive Erdmännchenkolonie zu haben, die dort ihr Habitat hat. Nein, nur drei Süßigkeiten haben diese unglaubliche Leistung erbracht.

Die Löcher werden für immer bleiben. Nachfolgende Kaninchen immer mal wieder einen der alten Gänge neu in Betrieb nehmen. Ob sie sich fragen wer dort wohl so meisterlich gebaut hat?

Keks überlebte ihre Schwester Muffin nur einige Wochen und starb im Alter von vier Jahren. Wir haben sie ohne pathologische Untersuchung beerdigt, weil ihre Untersuchungsergebnisse aus der Pathologie wahrscheinlich ähnlich denen ihrer Schwester gewesen wären. Keine ansteckenden Krankheiten, sondern eine Vielzahl organischer und letztlich tödlicher Probleme, die man eigentlich bei eher alten Tieren erwarten würde. Die zur Mast gezüchteten Kaninchen sind mit vier Jahren „alt“. ihre Körper optimiert zu Mast- und Zuchtzwecken, nicht für ein langes Leben.

Dass ihre Bedürfnisse und Gedanken ganz die wilder Kaninchen sind… das zeigen uns Kaninchen wie Keks mit ihrer unglaublichen Energie und der Freude am Kaninchensein.

Adieu, Keks.

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