Morgens war noch alles gut. Und Mops kam wie immer sofort aus ihrem „Bett“ angewuselt, graden Weges Richtung Wärmelampe und Frühstück. Ihre Tage davor waren anstrengend, bis endlich das richtige Örtchen im Garten gefunden war, um Eier zu legen. Schildkröten geben sich richtig viel Mühe damit, den besten Platz für die Eiablage zu finden, denn schließlich müssen Sonneneinstrahlung und Mikroklima genau stimmen, damit aus den Eiern Schildkrötenbabys schlüpfen können. Mops legte für ihren kleinen, verbauten Körper sehr viele Eier. Gut, dass das geschafft war. Nichts deutete darauf hin, dass die kleine Gute-Laune-Mops an einem lebensbedrohlichen Problem litt. Nach dem Frühstück ging sie raus, alles schien ganz normal, sie spazierte durch die Landschaft, wie sie es bis zur Mittagssiesta an einem hübschen Örtchen immer tat. An genauso einem Örtchen fanden wir sie bei der Abendkontrolle. Mops war einfach ohne Ankündigung gestorben.

Aufgrund der fehlenden Erklärung für ihren plötzlichen Tod im Alter von nur 27 Jahren ließen wir die Todesursache in der Pathologie klären. Vielleicht gab es einen Zusammenhang mit ihrer traurigen Vergangenheit. Mops wurde als Baby einfach  aus dem Heimatland entführt: Die Maurische Landschildkröte namens Mops wurde im Jahr 2000 von einem jungen Mann aus dem Marokko-Urlaub mitgebracht. Zu Tausenden werden auf nordafrikanischen Märkten der Natur entnommene Schildkröten für ein paar Euro an Touristen verkauft, die die Tiere dann nach Deutschland schmuggeln. Natürlich ist das alles höchst illegal. Perfekt ist die Katastrophe dann, wenn das lebende Urlaubssouvenir sich als Fehlanschaffung entpuppt. Viele dieser Schildkröten überleben wegen „Haltungsfehlern“ nicht einmal das erste Jahr.

Die kleine Schildkröte war kaum in Deutschland, als dem Menschen, der sie mitbrachte, auffiel, dass er überhaupt keine Verwendung für sie hat. Zum Glück gab es einen Kumpel eines Bekannten, der sich bereiterklärte, die Schildkröte zu übernehmen. Und sich dann die darauffolgenden 23 Jahre sehr um sie kümmerte, aber leider „schildkrötenunerfahren“ war. Die Folge davon sind bleibende Schäden an Skelett und Organen, Rachitis, Laufprobleme, eine krumme Wirbelsäule, weicher Panzer. Er wusste, dass es überhaupt nicht gut war, dass Mops immer mehr Zeit im Terrarium verbringen musste und er ihr einfach nicht gerecht wurde und brachte die Schildkröte dann im September 2023 ins Land der Tiere. Was wir konnten, war ihr endlich ein möglichst artgerechtes Leben zu ermöglichen. Was wir nicht konnten: Schäden „reparieren“.

Am Ende starb Mops an Herzversagen nach einer Legedarmentzündung, litt gleichzeitig unter einem Harnwegsinfekt, vielleicht beides bedingt durch die Tumorzellen in ihren Oberschenkelknochen. Wir wünschten uns, ihr Leben wäre anders verlaufen: als kleine, freie Schildkröte irgendwo in Afrika. Vielleicht hätte sie da die Chance gehabt, gesund 100 Jahre alt zu werden.

Adieu, Mops.

24. Juli 2026

Schwein Pauline im Land der Tiere, einem Lebenshof für ehemalige "Nutztiere" in Mecklenburg-Vorpommern, idyllisch gelegen im Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe zwischen Hamburg und Berlin

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