Die ersten vier Monate ihres Lebens verbrachte sie in einer großen, tristen und verdreckten Halle. Zwischen tausenden männlichen Putern, die noch viel schneller wuchsen als sie und die anderen weiblichen Puten, die wie sie falsch „gesext“ worden waren und in dieser Putenhähnemastanlage gelandet sind.

Wegen ihres besonders schnellen Wachstums werden in Deutschland fast nur männliche Puten gemästet. Weibliche Puten, die versehentlich in einer Mastanlage landen, haben wenig Chancen, bis zum Mastende zu überleben. Und wenn sie doch bis zum Schlachthof transportiert werden, sind die Anlagen dort auf die viel schwereren und größeren Körper der männlichen Puter ausgerichtet. Was das für die weiblichen bedeutet, ersparen wir euch.

Wendy blieb das auch erspart. Sie hatte das riesige Glück, an Thanksgiving 2023 zusammen mit ihrer Freundin Ashley von Tierrechtsaktivistinnen in der Halle zwischen all den männlichen Puten gesehen und gerettet zu werden. Beide zogen ins Land der Tiere.

Bei ihrer Ankunft waren Wendy und Ashley extrem ängstlich, krank, resigniert, ihre Schnäbel schlimm kupiert. Das „Ängstliche“ hatten sie nach einer Weile abgelegt, tauten langsam auf. Die lange Liste an mitgebrachten Krankheiten behandelten wir, soweit möglich. An ihren Schnäbeln konnten wir nichts ändern.

Nach einem Monat konnten sie umziehen, mit ihren neuen Mitbewohner*innen und Cosma haben sie sich gleich gut verstanden. Und dann ging es für die beiden endlich nach draußen: Dass an ihrem ersten Tag draußen Schnee lag, war Wendy und Ashley völlig egal. Sie fanden es alles spannend. Waren zum ersten Mal in ihrem Leben richtig draußen, haben zum ersten Mal den Himmel nicht hinter einem Fenster gesehen, sondern einfach so, über ihnen. Während sie drinnen immer noch eher vorsichtig waren, sind sie draußen direkt mutig losgezogen. Kein Zögern, nichts. Sie waren angekommen.

Wendy konnte im Land der Tiere so selbstbestimmt wie möglich leben. Neugierig sein, Sandbäder nehmen, im Gras picken, die besten und leckersten Essensstellen entdecken, auf der Wiese dösen, gemeinsam mit ihren Freund*innen durch ihren Garten spazieren. Schimpfen, wenn ihr danach war. Mit der Nachbarin streiten. Und natürlich stets alles und alle im Blick haben: Wendy hat immer aufgepasst. Sie war die ruhigere in der Gruppe, hat gerne erst mal beobachtet und blieb lieber etwas im Hintergrund.

Dann kamen die Atemprobleme, ganz plötzlich. Die sofortige Notfallbehandlung brachte kurz Besserung, die Atmung fiel leichter, doch dann der Rückschlag. Wendy baute während der tierärztlichen Behandlung innerhalb von wenigen Tagen extrem ab. Doch alles konnte ihr nicht mehr helfen.

Adieu, Wendy.

16. März 2026

Schwein Pauline im Land der Tiere, einem Lebenshof für ehemalige "Nutztiere" in Mecklenburg-Vorpommern, idyllisch gelegen im Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe zwischen Hamburg und Berlin

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Hündin Nica im Land der Tiere, einem Lebenshof für ehemalige "Nutztiere" in Mecklenburg-Vorpommern, idyllisch gelegen im Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe zwischen Hamburg und Berlin

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