Liebevolle Erinnerungen
An dieser Stelle möchten wir unserer ehemaligen Mitbewohnerinnen und Mitbewohner gedenken. Danke, dass wir euch ein Stück eures Weges begleiten durften. Wir werden die Erinnerung an euch immer in unseren Herzen tragen.

Carla
Es fühlt sich völlig irreal an. Carla, unsere Oberquatschmacherin mit ihrer 50-Kilo-Oberenergie, ist tot.
Sie war so unvorbereitet wie alle um sie herum und hatte überhaupt keine Zeit, ihren eigenen Tod zu bemerken. Sie schlief ganz tiefenentspannt und bequem auf ihrer Couch. So fanden wir sie dann auch. In der Nacht muss ihr Herz versagt haben, ohne jede Vorankündigung.
Fiffi
Beim Thema „Qualzucht“ denken die meisten Menschen zuerst an Tiere wie Möpse oder Bulldoggen, die mit ihren runden Schädeln, Glubschaugen und kurzen Nasen unter Atemnot und anderen extremen zuchtbedingten Erkrankungen leiden. Kaum jemand denkt an Kaninchen. Nicht an die überzüchteten Zwerge und Widder, die unter vielen Problemen leiden, erst Recht nicht an die Riesen, die alleine zu dem Zweck gezüchtet wurden, möglichst viel Fleisch „zu produzieren“. Kaninchen wie Fiffi, die sechs Kilo oder mehr wiegen, deren Körperbau viel zu lang, viel zu schwer ist. Wen interessiert es auch, dass die Tiere fast alle irgendwann unter Arthrosen und Rückenproblemen leiden – denn in der Regel werden solche Kaninchen nach ein paar Wochen oder Monaten sowieso geschlachtet.
Saba
Knappe anderthalb Jahre blieben Saba nach ihrer spektakulären Flucht vor dem Schlachter. Sie war die Älteste der kleinen Schaffamilie, die Wochen auf der Flucht war – und am Ende wären doch beinahe alle geschlachtet worden. Stattdessen gab es dank einer engagierten Amtsveterinärin und der Tatsache, dass wir anboten, die entkommenen Schafe aufzunehmen, die glückliche Rettung für die Familie. Die dann passenderweise den Familiennamen „Die Entkommenden“ bekamen.
Sina
Für Sina ging es nach dem letzten Winter nur noch darum, eine kleine letzte Zeit draußen in der Frühlingssonne liegen zu können.
Sina hatte kürzlich ihren 14. Geburtstag. Geistig noch absolut fit, jede Aufmerksamkeit, jedes Essen, jede Streicheleinheit genießend. Aber ihr alter Körper machte ihr schon lange zu schaffen. Nach einem Bänderriss im Knie, der zu ihrer Arthrose in diversen Gelenken dazu kam, wurde sie zunehmend immobiler, benötigte oft bzw. immer Aufstehhilfe.
Fritzi
Fritzi wurde vor 16 Jahren bei einem „Rasseschafzüchter“ geboren. Einem älteren Menschen, der verschiedenste „seltene“ und „vom Aussterben bedrohte Nutztierrassen“ züchtete – um sie zu nutzen. Irgendwann wurde er krank – und hatte viel zu viele Schafe, um sie noch versorgen zu können. „Bestandsreduktion“ heißt in solchen Fällen die „Lösung“ – eine Lösung, die keine ist, denn in der Regel heißt das: die „überzähligen“ Tiere werden geschlachtet. Die Schafe hatten Glück: Eine Nachbarin, die sich schon länger um die Tiere kümmerte, hätte das niemals zugelassen. Doch dafür brauchte sie: Lebensplätze.
Robinson
Bevor er zu uns kam, lebte Robinson über vier Jahre als „Zuchtbock“. Alleine bis auf die kurzen Momente, die er zwecks Nachwuchsproduktion zu einer Häsin gesetzt wurde. Er war das letzte überlebende Kaninchen einer privaten „Mastkaninchenzucht“ – alle anderen waren bereits in der Kühltruhe. Warum sein Besitzer bei ihm plötzlich zögerte, eine Möglichkeit suchte, ihn nicht zu schlachten, uns fragte, ob wir ihn aufnehmen? Vielleicht waren die Kinder dagegen, dass er stirbt – oder ihn hat irgendwann am Ende einfach das Gefühl überkommen, dass es nicht okay wäre, ihn zu töten.
Nils
Das Land der Tiere hatte noch nicht viele Bewohner*innen, als Nils mit Freundin Marit einzog. Es war Weihnachten 2017. Und die beiden ein eingespieltes Team. Charakterlich gänzlich verschieden ergänzten sie sich wundervoll, die ruhige Marit und der immer extrem aufmerksame Nils, der seine Augen überall hatte. Niemand wusste, wieviel Lebenszeit sie schon miteinander verbracht hatten.
Heinrich & Milky
Niemals mehr einen Käfig von innen sehen müssen, das war das Versprechen, was wir ihnen gegeben haben, als wir sie im Sommer aus diesem furchtbaren kleinen Stall holten. Das haben wir gehalten – und es wurden schöne Meerschweinchenmonate, wo kleine Meerschweinchenkids im Kreis ihrer Familie leben konnten, Quatsch machen konnten, herumhüpfen mit den anderen, in ihrem Zimmer herumflitzen und sich am Salatbuffet vergnügen, alles unter den wachsamen Augen der Älteren. Wir hätten ihnen ein langes Leben gewünscht, doch nun sind innerhalb weniger Tage gleich zwei von den Palettenmeerschweinchen gestorben
Wendy
Die ersten vier Monate ihres Lebens verbrachte sie in einer großen, tristen und verdreckten Halle. Zwischen tausenden männlichen Putern, die noch viel schneller wuchsen als sie und die anderen weiblichen Puten, die wie sie falsch „gesext“ worden waren und in dieser Putenhähnemastanlage gelandet sind.
Wegen ihres besonders schnellen Wachstums werden in Deutschland fast nur männliche Puten gemästet. Weibliche Puten, die versehentlich in einer Mastanlage landen, haben wenig Chancen, bis zum Mastende zu überleben. Und wenn sie doch bis zum Schlachthof transportiert werden, sind die Anlagen dort auf die viel schwereren und größeren Körper der männlichen Puter ausgerichtet. Was das für die weiblichen bedeutet, ersparen wir euch.
Edäd
Und dann war sie da. Mit ihrer Zwiebackfigur, ihren Katastrophenfüßen und ihrer großen Liebe für uns alle: Edäd. Jemand, an dem man nicht vorbeikommt, ohne zu kuscheln oder mindestens einen Keks zu verlieren. Beim Kuscheln wedelte sie mit ihrem Schwänzchen wie ein Lamm bei seiner Mutter. Damit und mit ihrer weichen grauen Nase, die sie in die Menschen versenkte, hat sie alle gekriegt. Viele viele unserer Gäste bei den Besuchszeiten. Uns sowieso. Ab dem ersten Tag.
Als Edäd kam meinten manche, dieser schräge Name, den ihre Menschen ihr gegeben hatten, könne unmöglich bleiben. Andere, dass es keinen anderen Namen gäbe, der besser zu ihr passt. Edäd lebte 12 Jahre lang zusammen mit ihrer Mutter. Bis diese starb und Edäd alleine zurückblieb – das Schlimmste, was einem Schaf passieren kann. Trotz aller Liebe zu Menschen: Schafe brauchen Schaf-Vertraute. Edäds Menschen liebten sie auch, suchten dann einen Platz für sie, damit sie glücklich noch älter werden und unter Schafen sein könnte. Edäd war „mehr als alt“, als sie kam. Und eine gesundheitliche Katastrophe, was ihre Menschen trotz aller Liebe überhaupt nicht bemerkt hatten.
Jojo
Einige Tage zuvor war Jojos Schwester Mamalena unerwartet und ohne Ankündigung gestorben. Seine Schwester, die zusammen mit ihm und einem Bruder, ihrem gemeinsamen Vater und ihren beiden erst ein paar Tage alten Babys am Heiligabend drei Jahre davor eingezogen war. Eine kleine Meerschweinchenfamilie, spontan gerettet, nachdem sie am 24.12. „zu verschenken“ in den Kleinanzeigen stand. Da es den „Besitzern“ sehr egal war, was aus den Tieren werden würde, sie auch Tiere einzeln verschenken wollten, „Hauptsache weg damit“, war klar, dass wir das verhindern mussten.
Mamalena
An Heiligabend 2022 fand sie Zuflucht im Land der Tiere: Mamalena zog zusammen mit ihren Brüdern Jojo und Christo, ihrem Vater Papa Noel und ihren damals noch kleinen Kindern Merry und Christmas ein. Die ganze Familie wurde in den Kleinanzeigen mitsamt winzigem Käfig „zu verschenken“ angeboten. Dass die Meerschweinchen auf diesem Wege ein besseres Zuhause finden würden, wo der Vermehrung und dem Käfigleben ein Ende gesetzt werden würde, war unwahrscheinlich. So kamen sie ins Land der Tiere.
Ärnie
Vor einem Jahr starb Ärnies Bruder Bärt in der Tierklink. Als wir nun Ärnie dorthin brachten, hatten wir Hoffnung, dass die alternativlose Harnstein-Operation sein Leben retten würde. Er überlebte die OP, die Prognose war in den Tagen darauf „vorsichtig hoffnungsvoll“. Dann kam der Anruf, den wir so gefürchtet hatten. Bärta hat auch ihren zweiten Sohn verloren.
Ärnies Mutter lebte ein sehr entbehrungsreiches Leben in Dreck und Müll bei Menschen, die von ihr nur eins wollten: ihre Milch und ihre Lämmer. Während wir im Oktober 2019 mit diesem Menschen die Rettung ihrer Tiere verhandelten, deren Versorgung ihnen vor langer Zeit schon komplett entglitten war, ersparten sie uns nicht mal die Geschichte der letzten Geburt mit dem schwachen Lamm, das einen Tag zuvor auf dem Grill im Hof landete und „so lecker war“.

















