Liebevolle Erinnerungen
An dieser Stelle möchten wir unserer ehemaligen Mitbewohnerinnen und Mitbewohner gedenken. Danke, dass wir euch ein Stück eures Weges begleiten durften. Wir werden die Erinnerung an euch immer in unseren Herzen tragen.

Muli
Nach so viel in einem Leben, was schnell hätte tödlich enden können, denkst du irgendwann: „Das Nächste schaffen wir auch noch“.
Nach 10 Jahren, die gleich damit anfingen, als wenige Tage alter Welpe ohne Mutter ausgesetzt zu werden, knapp dem Tod zu entkommen, weil zufällig gefunden und gerettet. Nach Knochenkrebsdiagnose ohne Heilungschancen viele Jahre zu überleben, mit 9 Jahren noch eine Magendrehung draufzulegen. Wir schafften entgegen aller Wahrscheinlichkeiten die schnelle, lebensrettende Notoperation. Aber gegen den Milztumor, der ihren Körper befallen hatte, hatten wir am Ende keine Chance mehr.
Hanna
Als Hanna vor über fünf Jahren im Land der Tiere angekommen aus unserem Transporter stieg, war es ein ganz besonderer Moment. Wir hatten sie zu Tausenden gesehen, die Zuchtsauen in den „Ferkelproduktionbetrieben“, die fixiert in Metall-Kastenständen und „Abferkelkörben“ ihr Leben verbringen mussten, zwangsbesamt wurden, Unmengen Ferkel gebaren, gebaren bis zum Tod und niemals wirklich Mutter sein konnten. Deren Kinder nie mehr als Produkte waren, schon als winzige Babys von den Müttern getrennt, um als Mastschweine ein furchtbares Leben führen mussten. Keines von Hannas Kindern konnte dem entfliehen, viele starben schon vor dem Weg zum Schlachthof, weil sie zu klein, zu schwach und krank waren – und kein Mensch sich um sie kümmerte.
Christmas
Christmas kam als Winzling zu uns: als eines der Babys der „Weihnachtsschweinchen“-Familie, die Heiligabend 2022 Zuflucht im Land der Tiere fand. War grade mal zwei Wochen alt, kam zusammen mit fünf anderen Meerschweinchen, mit Mama, Schwesterchen, Vater und großen Brüdern. Ihr „Zuhause“ war bis dahin ein winziger Außenstall, in dem Meerschweinchen sich „versehentlich“ vermehrten, verschenkt wurden, vermehrten. Dass sich ihr Leben zum Guten wenden würde, wenn sie als Last-Minute-Weihnachtsgeschenk via Kleinanzeigen mitsamt ihrem Stall die Besitzer wechseln, war ziemlich ausgeschlossen – und darum zogen sie ins Land der Tiere ein. Ein Platz zum Leben als spontanes Weihnachtsgeschenk von uns an eine bis dahin unbekannte Meerschweinchenfamilie.
Schildkraut
Über Schildkrauts Vergangenheit war nichts bekannt, als sie im August 2021 ins Land der Tiere einzog. Nur dass sie „vermutlich“ ausgesetzt wurde, denn irgendwann war sie einfach da, im „ein- und ausbruchsicheren“ Gehege einer Frau, wo sie unmöglich auf eigenen Füßen hereingekommen sein konnte. Schildkrauts Alter ließ sich nicht genauer bestimmen als irgendwo zwischen 10 und 20 Jahren, vermutlich eher 10 und das, was wir eher „Dampfaufzucht“ nennen: ein viel zu groß und zu schnell gewachsener, breiter, flacher Panzer mit einer eher zu kleinen Schildkröte darin, oft eine Folge von Fehlernährung mit viel zu hohem Proteingehalt. Tatsächlich enthalten Fertigfuttersorten, wie man sie im Handel beim Kauf eines Schildkrötenbabys mitbekommt, einen extrem hohen Anteil Proteine, meist sogar unsinnigerweise tierischen Ursprungs. Was das mit einer Schildkröte macht, die in ihrem natürlichen Lebensraum nur wenige trockene Wildkräuter zur Verfügung hat und reine Pflanzenesserin ist, müsste sich auch ein schildkrötenunerfahrener Mensch eigentlich vorstellen können. Wenn solche Tiere dann auch noch in Terrarien mit schlechter Mineralstoffversorgung ohne UV-Licht leben, ist das Problem da – und nie wiedergutzumachen.
Nia
Nia war eins dieser „kernigen“ Kaninchen. So eine, die genau weiß, was sie will, eine, die extrem ihre Freiheit genoss, eine, die in der Gruppe „das Sagen hatte“. Obwohl sie mit ihrer Tochter neu in eine bestehende Riesenfamiliengruppe kam: Von Anfang an hinterfragte niemand, ob Nia befugt ist, in die Chefinnenrolle zu schlüpfen. Alle waren wahrscheinlich einfach der Meinung: Das ist gut so. Nia kann es. Konnte sie!
Mops
Morgens war noch alles gut. Und Mops kam wie immer sofort aus ihrem „Bett“ angewuselt, graden Weges Richtung Wärmelampe und Frühstück. Ihre Tage davor waren anstrengend, bis endlich das richtige Örtchen im Garten gefunden war, um Eier zu legen. Schildkröten geben sich richtig viel Mühe damit, den besten Platz für die Eiablage zu finden, denn schließlich müssen Sonneneinstrahlung und Mikroklima genau stimmen, damit aus den Eiern Schildkrötenbabys schlüpfen können. Mops legte für ihren kleinen, verbauten Körper sehr viele Eier. Gut, dass das geschafft war. Nichts deutete darauf hin, dass die kleine Gute-Laune-Mops an einem lebensbedrohlichen Problem litt. Nach dem Frühstück ging sie raus, alles schien ganz normal, sie spazierte durch die Landschaft, wie sie es bis zur Mittagssiesta an einem hübschen Örtchen immer tat. An genauso einem Örtchen fanden wir sie bei der Abendkontrolle. Mops war einfach ohne Ankündigung gestorben.
Brigitte
Brigittes Mutter Paulchen wurde 17 Jahre alt. Brigitte selbst hat noch ein Jahr mehr Lebenszeit draufgelegt: 18 Jahre. 18 Jahre, möglich durch die Tatsache, dass sie irgendwann nicht mehr als „Nutztier“ betrachtet wurde.
Als wir sie Anfang 2020 in ihrem alten Zuhause besuchten, um zu entscheiden, ob wir den beiden Seniorinnen einen Lebensplatz anbieten können, sahen wir nur von der Ferne zwei Schafe, zwei Schafe voller Angst und Misstrauen, die sich vor einer näheren „Besichtigung“ in Sicherheit brachten. Kluge Schafe, schließlich konnten sie nicht ahnen, was passieren würde. Aber ihre Besitzerin meinte es gut mit ihnen. Früher hielt sie Schafe als „Nutztiere“, die nie die Chance hatten, alt zu werden. Irgendwann änderte sich das – und das Schlachten hatte ein Ende.
Als ihre Besitzerin selbst alt wurde und sich nicht mehr um die beiden Schafe kümmern konnte und das Haus – und die Schafe – aufgeben wollte, bemühte sie sich darum, für Paulchen und Brigitte einen Platz zu finden, wo sie einfach in Frieden bis ans Ende ihrer Tage leben können.
Dolly
Dolly hat nach ihrer Rettung unfassbare fünf Jahre gehabt.
Üblicherweise werden Hühner mit ihrer Geschichte nach anderthalb Jahren Ausbeutung in der Landwirtschaft zum Schlachthof transportiert. Anderthalb Jahre, in denen sie nie wirklich „leben“ konnten. Nie Huhn sein, nie draußen, nie in Ruhe sandbaden, scharren, oder neugierig durch die Gegend flitzen.
Carla
Es fühlt sich völlig irreal an. Carla, unsere Oberquatschmacherin mit ihrer 50-Kilo-Oberenergie, ist tot.
Sie war so unvorbereitet wie alle um sie herum und hatte überhaupt keine Zeit, ihren eigenen Tod zu bemerken. Sie schlief ganz tiefenentspannt und bequem auf ihrer Couch. So fanden wir sie dann auch. In der Nacht muss ihr Herz versagt haben, ohne jede Vorankündigung.
Fiffi
Beim Thema „Qualzucht“ denken die meisten Menschen zuerst an Tiere wie Möpse oder Bulldoggen, die mit ihren runden Schädeln, Glubschaugen und kurzen Nasen unter Atemnot und anderen extremen zuchtbedingten Erkrankungen leiden. Kaum jemand denkt an Kaninchen. Nicht an die überzüchteten Zwerge und Widder, die unter vielen Problemen leiden, erst Recht nicht an die Riesen, die alleine zu dem Zweck gezüchtet wurden, möglichst viel Fleisch „zu produzieren“. Kaninchen wie Fiffi, die sechs Kilo oder mehr wiegen, deren Körperbau viel zu lang, viel zu schwer ist. Wen interessiert es auch, dass die Tiere fast alle irgendwann unter Arthrosen und Rückenproblemen leiden – denn in der Regel werden solche Kaninchen nach ein paar Wochen oder Monaten sowieso geschlachtet.
Saba
Knappe anderthalb Jahre blieben Saba nach ihrer spektakulären Flucht vor dem Schlachter. Sie war die Älteste der kleinen Schaffamilie, die Wochen auf der Flucht war – und am Ende wären doch beinahe alle geschlachtet worden. Stattdessen gab es dank einer engagierten Amtsveterinärin und der Tatsache, dass wir anboten, die entkommenen Schafe aufzunehmen, die glückliche Rettung für die Familie. Die dann passenderweise den Familiennamen „Die Entkommenden“ bekamen.



























